Englische
Version: Berlin - a city twice unique
Berlin
- eine zweimalige Stadt
Stadtplanung im Spannungsfeld vieler Interessen
(dtsch. Auszug aus einer Veröffentlichung)*
Hanns-Uve Schwedler,
Europäische Akademie für städtische Umwelt
"Die größte Baustelle Europas"
ist inzwischen zum Synonym für Berlin geworden. Seit dem Fall der
Mauer 1989 erlebt und durchlebt die Stadt einen umfassenden
wirtschaftlichen, politischen, sozialen, vor allem aber auch
städtebaulichen Wandel, für den es nur wenige Parallelen gibt und
der den Bürgern der Stadt einiges abverlangt. Stadtentwicklung und
Stadtumbau vollziehen sich für alle sichtbar, im wahrsten Sinne
erlebbar. Die Veränderung der Stadträume, Abrisse und Neubauten,
sich täglich wandelnde Straßenführungen, all dies beeinflußt das,
was in der deutschen Sprache 'Heimat', verortete Identität genannt
wird. Da verwundert es nicht, daß die räumliche Planung und
städtebauliche Entwicklung der vergangenen Dekade zu heftigen und
sehr kontroversen Diskussionen und Auseinandersetzungen geführt hat
und immer noch führt. Dabei geht es um nicht weniger als um das
Zusammenführen zweier Millionenstädte (1) mit extrem
unterschiedlichen städtebaulichen Paradigmen während der vergangenen
fünfzig Jahre. Es geht um den Ausbau zur Hauptstadt Deutschlands, der
mit dem Umzug von Parlament und Regierung 1999 noch keineswegs
abgeschlossen ist. Und es geht darum, die wirtschaftsräumliche
Stellung der Stadt nicht nur im Umland, sondern weltweit zu bestimmen.
Diese Position spielte in den zwei 'Frontstädten' der beiden großen
politischen Systeme eine nur untergeordnete Rolle. Sozialpolitisch und
sozialräumlich aber geht es vor allem um die Frage, ob die Bewohner
der vereinigten Stadt diese Stadt auch innerlich annehmen, ohne ihr
Eingebundensein in kleinräumlichere Strukturen, in ihre Nachbarschaft
(was in Berlin 'Kietz' genannt wird) zu verlieren. Ein weiteres
Schlagwort, das vor allem in der ersten Hälfte der neunziger Jahres
kursierte, das von der "Baustelle der deutschen Einheit"
gewinnt hier Bedeutung.
STADTPLANUNG UND
STADTENTWICKLUNG IN ZWEI DEUTSCHEN STAATEN
Die jüngere Stadtgeschichte Berlins ist
voller symbolträchtiger Umbrüche. Berlin ist eher eine Stadt der
Planung und der Sprünge, weniger des organischen Wachstums, das doch
so kennzeichnend ist für viele andere europäische Städte. In seinen
heutigen Grenzen erst 1920 aus sieben städtischen und 59 ländlichen
Gemeinden entstanden, entwickelte Berlin sich in den 'Goldenen
zwanziger Jahren' rasch zu einer Weltstadt. Bereits 1910 wurde der
städtebauliche Wettbewerb 'Groß-Berlin' durchgeführt, der u.a. die
planerischen Grundlagen für einen Umbau des Stadtzentrums
erarbeitete. Diese Planung zielte auf eine "Forcierung der
Tertiärisierung der Innenstadt und ihre künstlerische bzw.
monumentale Hervorhebung als geistig-kultureller,
staatsadministrativer und politischer Mittelpunkt des Reiches".
(2) Die beiden Zentren der Agglomeration, die Innenstadt und der seit
der Gründerzeit aufblühende Bereich um den Kurfürstendamm, sollten
planerisch und städtebaulich zusammengeführt werden. Verwirklicht
wurde diese Planung aber nie. Dennoch scheint sich Geschichte hier zu
wiederholen. Diese Ziele sind – wenn auch z.T. anders formuliert –
noch immer und wieder Gegenstand des ‚Planwerks Innenstadt‘ (vgl.
u.).
Die Machtergreifung des Nationalsozialismus
legte den Grundstein für die Zerstörung der Stadt, zunächst durch
Albert Speers Planung des neuen Super-Zenrtrums Germania, dann durch
die Bomben der Alliierten. Nach Kriegsende ähnelten weite Teile der
Stadt, insbesondere der Innenstadt, einem riesigen Trümmerhaufen, auf
dem zwei Staaten zweier unterschiedlicher politischer Systeme ihre
Metropolen errichteten: Die DDR ihren Regierungssitz, die BRD ihre
zumindest grundgesetzlich verbriefte Hauptstadt. Der Mauerbau
schließlich zerstörte 1961 jegliche Vorstellungen von einer
Stadt.
Es wäre sicherlich verkürzt, behaupten zu
wollen, daß sich die Stadtentwicklung Westberlins mit der Charta von
Athen und die Ostberlins mit der Charta von Moskau erklären ließe.
Dennoch finden hier die polyzentrische Raumstruktur im Westen der
Stadt und die monozentrische im Osten ihre Entsprechungen. (3) An die
Charta von Athen knüpfen die weiter unten skizzierten Überlegungen
zu 'Berlin als Europäische Stadt' an, die bei der Leitbilddiskussion
nach 1990 eine entscheidende Rolle spielten.
An dieser Stelle soll nur auf die
Stadtentwicklung im historischen Zentrum (und damit auf die
Stadtentwicklung Ostberlins) näher eingegangen werden, sind es doch
primär ihre Ergebnisse, die nach der Wiedervereinigung in Frage
gestellt wurden und heftigste Auseinandersetzungen verursacht haben.
Rund um den Alexanderplatz, der selbst
umgestaltet und mit dem Fernsehturm ein 365 m hohes Monument erhielt,
verwirklichte die DDR mit dem Marx-Engels-Forum, dem Palast der
Republik und dem davor liegenden Aufmarschplatz ein Zentrum, das ganz
im Sinne der Charta von Moskau der politische Mittelpunkt und der Kern
der Stadt sein sollte. Die Charta bestimmte: "Auf (diesen)
Plätzen und im Stadtzentrum finden politische Demonstrationen, die
Aufmärsche und die Volksfeiern an Festtagen statt. Das Zentrum der
Stadt wird mit den wichtigsten und monumentalsten Gebäuden
bebaut..." (4) Das wohl monumentalste Gebäude, der zwischen 1973
und 1976 erbaute 'Palast der Republik', entzweit noch heute die
Gemüter. Der gewaltige Bau war Sitz der DDR-Volkskammer und ein
wichtiges Kultur- und Freizeitzentrum für die Stadtbewohner und für
Touristen. Er hat sich heute für viele Ostberliner zu einem Symbol
für das Bewahrenswerte ihrer Vergangenheit entwickelt. Andere, vor
allem historisierende Westberliner, wollen an seiner Stelle das
bereits 1950 abgerissene Stadtschloß der Hohenzollern wieder
aufbauen. Inzwischen scheint sich die Diskussion aber zu
versachlichen. (5)
An der Leipziger Straße wurden die
ursprünglichen Gebäude und Straßenzüge beseitigt und im Sinne des
sozialistischen Wohnungsbaus mit großen Wohnblocks bebaut. Auf der
Fischerinsel entstanden nach Abriß der nach dem Kriege verbliebenen
Altbausubstanz 7 Wohnblöcke mit 18 bis 21 Stockwerken. Auch an diesen
zentral gelegenen Wohnungsbauten mit ihrer für Berlin so untypischen
Gebäudehöhe (vgl. u.) entzündeten sich Diskussionen.
Die berühmte Friedrichstraße, die während
des Krieges zu wesentlichen Teilen zerstört worden war, blieb bis in
die 80er Jahre hinein Baustelle. Damals setzte ein Umdenken von
Planern und Politikern ein, die sich nunmehr auch der Rekonstruktion
der historischen Stadt (6) verpflichtet sahen. Das von Honecker
avisierte Vorhaben, die Friedrichstraße "zur attraktivsten
Geschäftsstraße unserer Hauptstadt" (7) umzubauen, konnte bis
zur Wende nur sehr unvollständig verwirklicht werden. Die
wirtschaftsräumliche Entwicklung nach 1990 aber konnte zumindest hier
an Vorhaben aus DDR-Zeiten – wenn auch mit anderen Mittel –
anknüpfen.
Wenngleich einige Ziele und Ergebnisse der
Stadtentwicklung bis 1990 durchaus mit den Zielen der jüngsten
Stadtentwicklung in Übereinklang stehen (Erhalt der Wohnfunktionen im
Innenstadtbereich, Friedrichstraße als hochwertige
Geschäftsstraße), trafen mit der Wiedervereinigung doch zwei
Stadthälften aufeinander, die sich zu sehr unterschiedlichen und
eigenständigen Städten entwickelt hatten:
- "Die Zentrenstruktur im Westen war
polyzentrisch organisiert, der Osten monozentrisch mit starker
funktionaler Vernachlässigung äußerer Stadtbereiche...
- Im Westen war die City rund um den
Tiergarten ein hochverdichtetes Gebiet, im Osten prägten große
Freiflächen die inneren Bereiche zwischen Alexanderplatz und
Friedrichstadt.
- Rund um das westliche Zentrum am Zoo
spielte die Wohnfunktion nur eine untergeordnete Rolle. Rund um
den Alexanderplatz lebten mehrere zehntausend Menschen.
- Im Westteil der Stadt waren Institutionen
hauptstädtischen Charakters (wie beispielsweise Bundesbauten oder
Botschaften) verschwunden, das östliche Zentrum repräsentierte
die sozialistische Hauptstadt." (8)
Gemeinsam war beiden Teilstädten, daß
entlang der sie spaltenden Mauer z.T. sehr große vernachlässigte
Brachflächen entstanden waren. Mit der Beseitigung der Mauer verschob
sich die gesamte räumliche Struktur der Stadt. Die unwirtlichen
Brachen lagen nun in bester zentraler Lage und entwickelten sich –
wie die Freiflächen im Zentrum Ostberlins – zu begehrten Objekten
für Investoren und Bauherren.
NACH DER WIEDERVEREINIGUNG:
BAUSTELLE BERLIN
Der Umbau der Stadt seit der Wende
konzentriert sich auf einige Gebiete und Bauvorhaben (vgl. Fig. 2.1),
die im Mittelpunkt der fachlichen, oft auch der öffentlichen
Diskussion standen:
Potsdamer und Leipziger Platz,
in den zwanziger Jahren verkehrsreichste Orte Europas, verbanden einst
das historische Zentrum mit den neuen Vorstädten im Westen, die mit
der Potsdamer Straße und dem Gebiet um den Kurfürstendamm ebenfalls
sehr bedeutende zentralörtliche Funktionen erlangt hatten. 1989 lag
hier, unmittelbar an der Mauer, die größte innerstädtische Brache.
Heute symbolisieren die Bauinvestitionen von Daimler-Chryler, Sony und
anderen Großinvestoren das 'neue Berlin' und spielen beim
Stadtmarketing eine entscheidende Rolle (vgl. auch Kap. 10).
Stadtplanerisch und raumstrukturell aber sind sie umstritten. (9)
Weitere große Brach- und untergenutzte
Flächen, vor allem das Gebiet Rummelsburger Bucht und Adlershof,
werden heute wieder in Wert gesetzt und bebaut. Das Brachfallen der
Mehrzahl dieser Flächen ist allerdings nicht der politischen und
räumlichen Randlage (der jeweiligen Teilstädte) geschuldet, sondern
dem rapiden Niedergang industrieller und gewerblicher Produktion in
Berlin nach der Wende. (10) Die Rummelsburger Bucht wird zu einem
Gebiet gemischter Nutzung ausgebaut, in Adlershof entsteht ein
Wissenschafts-, Technologie- und Medienzentrum, in dem auch die
naturwissenschaftlichen Fakultäten der Humboldt-Universität
angesiedelt werden.
Ähnlich wie der Potsdamer Platz gehörte der
Pariser Platz östlich des Brandenburger Tors zu den
wichtigsten Plätzen des alten Berlin. Tor und Platz zusammen stellten
den zentralen Eingang in das historische Zentrum dar, verloren
aufgrund ihrer Lage im Sperrgebiet der DDR aber ihre Bedeutung.
Langsam gewinnt der Platz durch die (Wieder-)Ansiedlung von Banken,
Luxushotels, kulturellen Einrichtungen und Botschaften seine
ursprüngliche Bedeutung zurück. Der Berliner Ansatz der kritischen
Rekonstruktion (vgl. u. und Kap. 3) verbindet sich hier mit den
grundsätzlichen Interessen beispielsweise Frankreichs,
Großbritanniens und der USA, deren Botschaften hier an historischer
Stelle entstehen. (11)
Das Parlaments- und Regierungsviertel
entsteht am Spreebogen, dort wo der Fluß in einer Schleife den
Reichstag umfließt. Am Umbau des Reichtagsgebäudes nach Entwürfen
des britischen Architekten Forster entfachten sich heftige
Diskussionen um das Verhältnis von Architektur und politischer
Symbolik. Im deutschen Kaiserreich 1894 fertiggestellt, war das
Gebäude auch während der Weimarer Republik Sitz der Volksvertretung,
die den Nationalsozialisten nur zum geringeren Teil Widerstand
entgegenbrachte. Der Reichtagsbrand 1933 war dann der Auftakt der
politischen Verfolgung. (12) Konnte ein historisch so belastetes
Gebäude Sitz des bundesdeutschen Parlaments werden? Was bedeutete
dies für die architektonische Gestaltung? (13) Forster konnte seinen
Entwurf erst nach mehrfachen, z.T. tiefgreifenden Veränderungen
verwirklichen. Die ursprünglich geplante Überdachung des gesamten
Gebäudes mußte einer Variante der historischen Glaskuppel weichen.
Nordwestlich des Reichstagsgebäudes entsteht derzeit mit dem sog.
'Band des Bundes' ein Gebäuderiegel aus drei Bauten: dem Kanzleramt
und zwei weiteren, die Spree überspannenden Blöcken mit den
Abgeordnetenbüros und anderen Funktionsräumen des Parlaments.
In Berlin-Mitte wurde mit der
Eröffnung der Friedrichstadtpassagen eine wichtige Voraussetzung für
die Wiederbelebung des Zentrums als Standort für hochwertige
Versorgung und Dienstleistungen geschaffen. Neben dem Areal um den
Potsdamer Platz ist es vor allem das Gebiet um die Friedrichsstraße
und die Leipziger Straße, in denen private Investoren und Bauherren
tätig wurden. Während mit diesen Investitionen eine in gewisser
Weise bereits zu DDR-Zeiten begonnene Entwicklung fortgesetzt wurde (vgl.u.),
stehen andere städtebaulichen Maßnahmen im Bezirk Mitte noch aus.
Insbesondere der Umgang mit dem Alexanderplatz, dem Schloßplatz und
dem auf letzterem errichteten 'Palast der Republik' (vgl. o.) ist noch
nicht abschließend geklärt.
AKTEURE UND INTERESSEN
Eine Reihe weiterer großer Baumaßnahmen,
Entwicklungsprojekte und Stadtumbauten könnte genannt werden (vom
Lehrter Bahnhof nördlich des Potsdamer Platzes über das
Diplomatenviertel südlich der großen innerstädtischen Grünfläche
'Tiergarten' bis hin zum internationalen Flughafen Berlin-Brandenburg,
aber auch die Sanierung der großen Plattenbausiedlungen, in denen
mehr als 700 000 Berliner wohnen (14)). Diese Beispiele aber mögen
genügen, daß Spektrum der Akteure und Interessen zu skizzieren, die
bei der Stadtentwicklung der vergangenen zehn Jahre eine Rolle
spielten:
- nationale und internationale
Konzerne, Privatinvestoren und wirtschaftliche Interessengruppen
- Bundesinstitutionen
- ausländische Regierungen
- eine breite Fachöffentlichkeit
(Architekten, Planer und ihre Berufsorganisationen)
- die städtische Bevölkerung,
Initiativen und Betroffenengruppen
Mit ihnen mußten Politik und
Planung sich auseinandersetzen und die Grundsätze und Leitbilder der
Stadtentwicklung und Bebauungsplanung entwerfen, ohne daß Anfang der
90er Jahre dafür die rechtlichen Grundlagen überhaupt existierten.
Der Flächennutzungsplan Westberlins von 1988, der nach
bundesdeutschem Recht die Grundzüge und Leitsätze der
Stadtentwicklung und räumlichen Nutzung festlegt, war 1990 bereits
Makulatur. (15) Auch der Generalbebauungsplan Ostberlins aus dem Jahr
1991 konnte – wenn überhaupt - höchstens Anregungen geben. Bereits
Monate vor der Wiedervereinigung hatte die Volkskammer der DDR
wesentliche Teile des Bau- und Planungsrechtes der BRD übernommen.
(16) Nach dem Beitritt des ostdeutschen Staates zur Bundesrepublik kam
überall bundesdeutsches Recht zur Anwendung. Die konkreten
Planungsinstrumente wie z.B. der Flächennutzungs- und der
Bebauungsplan aber fehlten.
Die Entwicklung neuer vom
Planungs- und Baurecht vorgeschriebenen Instrumente und Grundlagen
wurde – wie der gesamte Stadtumbau - dadurch zumindest erschwert,
daß Berlin in der hier wichtigen Phase seiner Geschichte immer von
einer Koalition regiert wurde: zum Zeitpunkt der Wende von
Sozialdemokraten und Grünen und seit 1991 von Christdemokraten und
Sozialdemokraten. Die beiden für die Stadtentwicklung wichtigsten
Ressorts 'Bauen, Wohnen und Verkehr' und 'Stadtentwicklung und
Umweltschutz' wurden daher immer von Senatoren unterschiedlicher
Parteienzugehörigkeit geleitet. (17) Durch diese 'Parteienarithmetik'
sollte sichergestellt werden, daß die wichtigsten politischen (und
damit auch gesellschaftlichen) Interessen, Ziel- und Wertvorstellung
in der Stadtentwicklung Berücksichtigung fanden. Oft genug führte
dies aber auch nur zu verwässerten Kompromissen. Am Beispiel des
'Planwerks Innenstadt' (vgl. u. und Kap. 3 und 4), das 1999 vom
Berliner Senat verabschiedet wurde, vermutet ein Kritiker vor diesem
Hintergrund:
"Was jetzt als 'Planwerk' verabschiedet wurde, ist ein
Bilderbuchbeispiel für Konsensdemokratie, zahn- und kraftlos und vom
Augenzwinkern all derer begleitet, die wissen, daß sie den mageren
Rest auch noch auf Null bringen werden...Man braucht kein Prophet zu
sein, um dem 'Planwerk' eine ruhige Zukunft in den überquellenden
Archiven Berliner Städtebauvorhaben vorherzusagen"
(18)
Der hier skizzierte 'Dualismus' der
politischen und ministeriellen Verantwortung für die Stadtentwicklung
wird durch folgende Tatsache noch verstärkt: Berlin ist Stadt und
Bundesland zugleich und ist in 23 Bezirke aufgeteilt. Formal sind die
Bezirke mit den Kommunen von Flächenländern vergleichbar, verfügen
aber über weitaus geringere rechtliche Möglichkeiten und Instrumente
als diese. Dennoch sind die Kompetenzen für die Stadt- und
Bebauungsplanung sowie die damit zusammenhängenden
Genehmigungsverfahren auf die Bezirks- und die Senatsverwaltungen
verteilt und überschneiden sich. Dies führt immer wieder zu
Konflikten, die z.T. politisch motiviert sind, z.T. aber auch auf die
sehr unterschiedlichen Interessenlagen zwischen Bezirken und Senat und
den damit zusammenhängenden Interessen der Bevölkerungen der jeweils
betroffenen Bezirke zurückzuführen sind. Die obige Auflistung von
Akteuren im Berliner Stadtentwicklungs- und Baugeschehen muß daher um
die Bezirke ergänzt werden, die bei Auseinandersetzung um einzelne
Vorhaben und Pläne eine wichtige Rolle spielen (vgl. Kap. 4).
Während vor allem in der
ersten Hälfte der 90er Jahre rechtliche Planungsgrundlagen neu
erarbeitet werden mußten, überschlugen sich gleichzeitig die
Prognosen für die weitere Entwicklung der Stadt und damit auch die
Erwartungshaltung der Wirtschaft (und umgekehrt). Politik und Planung
rechneten mit einem jährlichen Bevölkerungswachstum von bis zu 40
000 Menschen. (19) Der Bedarf an Büroflächen werde sich
mittelfristig fast verdoppeln. Bei den Verkaufsflächen ging man von
einem mindestens 50-%igen Zuwachs bis zum Jahr 2010 (20) aus. Vor
allem der 'Nachholbedarf' im Ostteil der Stadt, aber auch die
Hauptstadtfunktion und die prognostizierte Rolle als 'Tor nach
Osteuropa' waren Auslöser dieser Boom-Erwartung. Die Nachfrage von
Investoren und Immobilienfirmen vor allem in der Mitte Berlins war in
der ersten Hälfte der 90er Jahre doppelt so hoch wie die von den
Planern eingeschätzte Tragfähigkeit. (21) Dies ließ Bodenpreise und
Mieten in die Höhe schnellen. (22) Andererseits zeichnete sich ab,
daß Berlin auch aufgrund der zunehmenden Krise der öffentlichen
Finanzen vor allem auf Großinvestoren angewiesen war. Hohe
Bodenpreise und die Finanzkraft von Großinvestoren, Entwicklern und
Bauherren führten zu ständigen Auseinandersetzungen (und
Kompromissen) um die Bebauungsdichte, die Gebäudehöhe und die
architektonische Gestaltung. Dies beeinflußte maßgeblich die
Diskussion um die sich entwickelnden Leitbilder der 'Europäischen
Stadt' und der 'Berlinischen Architektur' und setzte sich in den
Diskussionen um das 'Planwerk Innenstadt' und die Methode der
'Kritischen Rekonstruktion' fort.
LEITBILDER DER
STADTENTWICKLUNG
Schon bei der Vorbereitung des 1994
verabschiedeten neuen Flächennutzungsplans für Gesamtberlin tauchte
ein zentraler Begriff auf, der für die weitere Entwicklung von
städtebaulichen Leitbildern und Methoden entscheidende Bedeutung
gewinnen sollte: 'Berlin als europäische Stadt'. Europäische
Städte zeichneten sich demnach aus durch eine
- spezifische europäische
Öffentlichkeit mit ihrer Trennung von öffentlichem und privatem
Raum,
- Mischung der Funktionen Wohnen,
Gewerbe, Dienstleistungen, Kultur usw.,
- besondere Ortsidentität,
die sich in der historischen Raumstruktur, ihren Straßenfluchten
und -grundrissen widerspiegele. (23)
Damit knüpfte man an die
Leitgedanken an, die während 80er Jahre für die Internationale
Bauausstellung "...als Reaktion auf die Stadtzerstörung der
sechziger und siebziger Jahre (mit) der Wiedergeburt des
Stadtquartiers..." (24) in Westberlin entwickelt wurden. Man
konnte sich – insbesondere bei der Planung für den Berliner
Innenstadtbereich – an den Prinzipien einer behutsamen, sich an die
historische Entwicklung anlehnenden Stadterneuerung orientieren:
"Die Grundeinsichten eines bewußten Umgangs mit dem historischen
Stadtgrundriß, die Idee der gemischten und komplexen Stadt, die
bewohnerorientierte und bürgernahe Vorgehensweise, die Beschäftigung
mit Berliner Haustypologien und deren Weiterentwicklung sind
Grundeinsichten, die ... (auch heute) nicht verändert werden
müssen." (25) Diese so skizzierte Methode der 'Kritischen
Rekonstruktion' bildeten ein Leitbild, das in den ersten Jahren
angesichts noch fehlender oder unvollständiger Planungsgrundlagen
(wie die bereits erwähnten, gesetzlich vorgeschriebenen
Flächennutzungs- und Bebauungspläne) eine erste Orientierung für
Planer und Investoren gab. Sie bildete aber auch ein wichtiges
Beurteilungskriterium für die verschiedenen städtebaulichen
Wettbewerbe, die als Instrument für viele Großprojekte vom Senat
gewählt wurden. (26)
Aus der Methode der
'Kritischen Rekonstruktion' ergibt sich nicht nur das Primat der
traditionellen Straßen- und Blockgrundrisse, sondern auch die
Wiederaufnahme der alten Baufluchtlinien, die Rückkehr zur
Blockbebauung (und der damit einhergehenden Verdichtung und
Auffüllung von Baulücken), das Respektieren alter Traufhöhen und
die Anlehnung an traditionelle Architekturmuster. (27)
Die Anwendung dieser Grundprinzipien
des Berliner Stadtumbaus nach der Wende führte zu zahlreichen
Konflikten mit Investoren, einem Teil der Fachöffentlichkeit und der
Bürger, aber auch zu Auseinandersetzungen mit anderen Senats- und
Bezirksverwaltungen. Während Investoren vor allem eine höhere
Bebauung zur besseren Flächenausnutzung forderten, sahen andere durch
die Bebauungsverdichtung innerstädtische Frei- und Grünfächen
gefährdet. Heftigste Auseinandersetzungen gab es zwischen der
Stadtentwicklungs- und der Verkehrsverwaltung und deren politischen
Leitungen. Der geforderte Rückbau vor allem der zu DDR-Zeiten in der
Innenstadt entstandenen breiten Straßenfluchten, aber auch der im
Zuge der 'autogerechten Stadt' in Westberlin verbreiterten Straßen
stieß auf Widerstand des Verkehrssenators. Es waren aber auch bereits
Konfliktlinien zwischen den Vertretern der kritischen Rekonstruktion
und Planern und Architekten vor allem aus Ostberlin angelegt, die sich
am 'Planwerk Innenstadt' entzündeten.
Auf dieses 'Planwerk'
(28) wird an anderer Stelle ausführlich eingegangen (vgl. Kap. 4 und
5). Hier sei es - wiewohl in ihm die wichtigsten Leitgedanken and
Grundsätze der gesamten zukünftigen Stadtentwicklung Berlins
formuliert werden - nur kurz skizziert. Mit dem Planwerk, 1996 als
erster Entwurf der Öffentlichkeit vorgestellt, "...wurde
erstmals nach der Wiedervereinigung ein zusammenhängendes Konzept
für das Gebiet des historischen Zentrums und der 'City West'
vorgelegt, mit dem die Gesamtberliner Innenstadt städtebaulich
attraktiv und ökonomisch, ökologisch und sozial zukunftsweisend
entwickelt werden kann...Es gehört deshalb zu den erklärten Zielen
des 'Planwerks Innenstadt Berlin', ein Bild der Stadt des 21.
Jahrhunderts zu zeichnen...Begriffe wie Mobilität, Dichte,
Nachhaltigkeit, Stadträumlichkeit und Identität (sind) zu wichtigen
Parametern geworden. Der laufende Diskussions- und Abstimmungsprozeß
stellt darüber hinaus einen Beitrag zur mentalen Zusammenführung der
ehemals in Ost und West getrennten Stadtbevölkerung dar und bietet so
eine Grundlage zur Formulierung einer gesamtstädtischen
Identität." (29) Damit verfolgt das Planwerk nicht nur das Ziel,
die beiden ehemaligen Zentren städtebaulich, sondern auch die
Menschen beider Stadthälften zusammenzuführen.
Letzteres scheint ihm aber nur
begrenzt zu gelingen. Insbesondere am Bild von 'Historizität' (30)
der für das 'Planwerk' verantwortlichen Politiker und Planer scheiden
sich die Geister (vgl. Kap. 5). Dabei reicht die Kritik am Planwerk
bis zu Auffassungen, die die Notwendigkeit und Wünschbarkeit eines
Zentrums ganz in Frage stellen. (31) Verwiesen wird dabei nicht nur
auf die Entwicklung der europäischen Städte während der vergangenen
50 Jahre (Suburbanisierung, Zentrenverlust), sondern auch darauf, daß
die Entwicklung eines neuen Zentrums "die Absage an die Stadt der
gelebten und öffentlich ausgetragenen Differenzen, der sozialen, auch
der politischen (bedeute)." (32) Eine andere Kritikrichtung, die
m.E. erheblich fundierter ist, wehrt sich dagegen, daß mit dem
'Planwerk' und bei der dabei verwendeten Methode der 'Kritischen
Rekonstruktion' die Stadtentwicklung nach 1945 ignoriert, ja
ausgelöscht würde - und damit auch das 'Bild der Stadt', das ein
Teil ihrer Bevölkerung mit sich trage.
Unbestritten hat das
'Planwerk' mit seinem Primat, die Innenentwicklung (und damit
Verdichtung der Innenstadt) der Außenentwicklung entgegenzustellen
und die Wohnfunktion im Zentrum zu erhalten (bzw. wiederzugewinnen),
ein sinnhaftes Leitbild für eine nachhaltige Stadtentwicklung
entworfen. Zu fragen ist aber, was seine Verfechter erreichen, wenn
sie Kritikern, die mit der städtebaulichen DDR-Vergangenheit
argumentieren, entgegenhalten: "Die Kritik der
Ex-DDR-Intellektuellen ist eine Sache für sich. Man muß sich nicht
unter den Druck setzen, ihr gerecht zu werden." (33) Damit wird
ein wesentliches Ziel des 'Planwerkes', eine 'mentale
Zusammenführung' der ehemals getrennten Stadtbevölkerung zu
unterstützen, konterkariert. Dies gilt um so mehr, als mit dem
Planwerk auch nach seiner Verabschiedung durch den Senat im Mai 1999
kein rechtlich verbindliches Instrument (wie der Flächennutzungsplan
oder die Bebauungspläne) vorliegt, sondern nach den Worten des
zuständigen Stadtentwicklungssenators nur ein
"Abwägungstatbestand,...der von den Bezirken berücksichtigt
werden (müsse). (34)" Damit bleibt das 'Planwerk' und seine
städtebaulichen Ziele auch weiter auf einen möglichst breiten
Konsens aller Beteiligten angewiesen.
EINE NEUE
PLANUNGSKULTUR?
Die Wiedervereinigung Berlins,
die damit verbundene Aufbruchstimmung, aber auch Verunsicherung
führte zumindest in Ansätzen zu einer neuen Planungskultur, zu einer
stärkeren öffentlichen Diskussion (35) über die Stadtentwicklung
und ihre Ziele. Auch hier spielten Leitgedanken, die während der
Internationalen Bauausstellung in den 80er Jahren entwickelt wurden,
eine wichtige Rolle. Ihnen liegt die Erkenntnis zugrunde, daß gerade
in Zeiten des Umbruchs "Politik und Verwaltung allein nicht genug
wissen und vermögen, um die Fragen der Stadtentwicklung .. zu
beantworten..." (36)
Der für den ersten
Flächennutzungsplan Gesamtberlins zuständige
Stadtentwicklungssenator setzte deshalb 1991 mit dem 'Stadtforum'
ein beratendes Gremium ein, das öffentlich tagte und aus Experten
unterschiedlichster Fachrichtungen und Herkunft bestand. Er schreibt:
"I consider that the most important instrument in preparing the
plan (Flächennutzungsplan 1994, der Verf.) was what we call the 'city
forum'. Since 1991 the forum has provided the possibility to discuss
basic issues and goals. The group consisted of 80 leading figures in
the community." (37) Das Stadtforum hat seither annähernd 80 mal
zu verschiedensten Themen (38) der Stadtentwicklung getagt und
erreichte durch seine Offenheit auch für die Presse eine breite
Medienwirksamkeit. Dennoch blieb es bis heute ein Instrument der
'diskursiven Politikberatung' und der Bürgerinformation, nicht aber
der Bürgerbeteiligung. Diese mangelnde Mitwirkung der Bewohner rief
schon früh Kritik hervor und führte u.a. zur Gründung des
'Stadtforums von unten', dessen Initiatoren "größtenteils aus
PDS Kreisen" (39) stammten und die die mangelnde
Berücksichtigung von Experten aus dem ehemaligen Ostteil der Stadt im
Stadtforum bemängelten.
Zumindest dem Vorwurf der
mangelnden Bürgerbeteiligung begegneten die für die Stadtentwicklung
verantwortlichen Senatsverwaltungen durch die Einrichtung zweier
weiterer Instrumente der Bürgerinformation und -beteiligung:
"... drei Säulen einer Bürgerbeteiligung (haben sich)
herauskristallisiert... Neben dem Stadtforum, das Anforderungsprofile
an die Stadt der Zukunft formuliert..., thematisiert die
Veranstaltungsreihe StadtProjekte sektorale Problemfelder, die
zwischen der klassischen Stadtplanung und anderen Disziplinen
auftreten. Auf einer fachöffentlichen Ebene werden schließlich (in Planungswerkstätten)
konkrete Planungsfragen 'vor Ort' aufgeworfen und bewertet." (40)
Darüber hinaus wurde mit dem Quartiersmanagement in Stadtteilen mit
'besonderem Entwicklungsbedarf' ein Instrument ins Leben gerufen, daß
versucht, Problemgebiete der Stadt sozial und räumlich aufzuwerten.
Ziel ist es dabei, generell die Partizipation der Bewohnerschaft
außerhalb der formellen (und gesetzlich vorgeschriebenen)
Bürgerbeteiligung zu stärken. Dem dienen auch verschiedenste
Projekte der Lokalen Agenda 21.
Zusammenfassend kann
festgehalten werden, daß seit der Wiedervereinigung eine Reihe
innovativer Instrumente der Bürgerbeteiligung, vor allem aber der
Bürgerinformation ins Leben gerufen wurden. In nur wenigen
Großstädten dürften – trotz aller Kritik –
stadtentwicklungspolitische Themen so viel Raum in der öffentlichen
Diskussion einnehmen wie in Berlin. Festgehalten werden muß aber
auch, daß dies durchaus am Selbstverständnis so mancher Planer
kratzt und Äußerungen einiger Politiker eine 'gewisse Ambivalenz'
gegenüber diesen Instrumenten und Methoden erkennen lassen. So
schreibt der Senatsbaudirektor Berlins im Zusammenhang mit dem
'Planwerk Innenstadt': "Blickt man auf die zahlreichen
Strategien, mit denen europäische Metropolen die Gesamtentwicklung
ihrer Stadt im 20. Jahrhundert neu organisierten, so präsentierten
sich die Pläne immer nur als Ergebnis von Planarbeit, nicht als
Ergebnis eines demokratischen Prozesses... Weder Scharouns
Kollektivplan noch der Plan für das Kulturforum oder das Märkische
Viertel – und erst recht nicht die Pläne für die Stalinallee, den
Fischerkiez und Marzahn – sind Ergebnis komplexer demokratischer
Beteiligungsprozesse...Dies sei allen ins Stammbuch geschrieben, die
dem Planwerk besonders an diesem Punkt Defizite nachsagen. Bezogen auf
ein planerisches Vorgehen für die Innenstadt hat es in
Berlin noch nie eine breitere fachliche und politische Debatte
gegeben." (41) Aus solchen
Äußerungen mag aber nicht nur Ambivalenz sprechen, sondern auch ein
gutes Stück Verletztheit durch die z.T. giftigen Auseinandersetzung
vor allem um das 'Planwerk Innenstadt'.
Vielleicht steht dahinter aber
auch die Erkenntnis, daß Planung immer nur Kompromiß sein kann und
sich im Spannungsgefüge unterschiedlichster Interessen vollziehen
muß. Hoffmann-Axthelm, einem maßgeblich am 'Planwerk Innenstadt'
beteiligten Stadtplaner, ist zuzustimmen, wenn er schreibt: "Eine
politische Reaktion müßte die wirklichen politischen Bedingungen in
Rechnung stellen, unter denen ein solches Planwerk entsteht ... unter
den wachsamen Augen konkurrierender Verwaltungszuständigkeiten,
politischer Gegner und schadenfroher Journalisten ... Eine solche
Verwaltung ist nicht einmal einheitlich, sondern spiegelt die
Widersprüche der Wirklichkeit wider. Es werden also nicht nur
unversöhnliche Sachpositionen vertreten, sondern auch
Fachpositionen... Es ist klar, daß dabei vom Planer zahlreiche
Zugeständnisse verlangt sind..." (42)
Ob bei diesen Zugeständnissen
immer die Kompromisse gefunden wurden, die ein soziales und mentales
Zusammenwachsen der ehemals getrennten Stadt fördern, darf bezweifelt
werden. Auch wenn es 'politisch nicht korrekt' ist, in Berlin noch
immer eine mental geteilte Stadt zu sehen, so sprechen die Ergebnisse
der Wahl zum Berliner Parlament im Oktober 1999 eine deutlich andere
Sprache. Während die PDS, die Nachfolgerin der DDR-Staatspartei SED,
im Westteil der Stadt ca. 4 % der Stimmen erlangte, wurde sie in
Ostberlin mit annähernd 40 % stärkste Partei vor den in der
Gesamtstadt regierenden Christ- und Sozialdemokraten. "Berlin mag
mehr und mehr zusammenkommen - aber jede Wahl zeigt neu, wo die
Bruchlinien verlaufen. Dass da eine der ganz grossen Aufgaben der
Politik liegt, ist unbestreitbar..." (43) Stadtentwicklung und
Stadtplanung aber sind wichtige, vielleicht die wichtigsten
Instrumente kommunaler Politik. Ob sich die Planer der damit
verbundenen Verantwortung stellen, wird vor allem die weitere
städtebauliche Entwicklung im alten neuen Zentrum Berlins zeigen.
*) erscheint Mitte 2000
1) 1989 hatte Westberlin ca. 2 Mio.
und Ostberlin ca. 1,2 Mio. Einwohner. Die beiden Stadthälften nahmen
eine Fläche von rd. 480 km2 bzw. 403 km2 ein
(vgl. Statistisches Landesamt Berlin, Kleine Berlin Statistik,
(Berlin: Selbstverlag, 1999)
2) Zitiert nach: K. Trippel, ‚Der
Stadtumbau im historischen Zentrum Berlins. Planungspolitik in der
Nachwendezeit‘, HSP-papers, 4/98, Arbeitsschwerpunkt Hauptstadt
Berlin, Freie Universität Berlin. (1998) p. 8
3) vgl. auch H. Häussermann and R.
Neef, Stadtentwicklung in Ostdeutschland. Soziale und räumliche
Tendenzen, (Opladen: Westdeutscher Verlag, 1996)
4) zitiert nach: ibid. P. 79
5) Der Tagesspiegel schreibt dazu:
"(Es wird) ...eine Expertenkommission - unter anderem mit
Stadtplanern und Kunsthistorikern - eingesetzt werden, um Weichen für
die Bebauung des Schlossplatzes und seine Nutzung zu stellen - die
Zeit drängt, das Ende der Asbestsanierung des Palastes der Republik
ist Mitte 2001 in Sicht - und damit die Frage, wie mit den Resten des
Baus umzugehen ist. Bundeskanzler Gerhard Schröder, der Regierende
Bürgermeister Eberhard Diepgen und seine neue Kultursenatorin Christa
Thoben können sich ein Schloss vorstellen, Stadtentwicklungssenator
Peter Strieder eine Collage aus Alt und Neu - aber was an
'Öffentlichem' in der baulichen Hülle stecken soll, bleibt bislang
ein Rätsel... Das Konzept...(der PDS, die vor allem im Ostteil der
Stadt Wähler hat, d. Verf.) für ein 'Bürgerforum' geht allerdings
davon aus, dass der Palast der Republik nach der Asbestentfernung
umgebaut und genutzt wird - mit neuen Fassaden, Dachterrassen und
Fußgängerbrücken über die Spree. Der Palast soll Teil eines
städtebaulichen Ensembles mit öffentlichen Wegen, Plätzen, Passagen
und Höfen sein, etwa auf der Fläche des alten Schlosses. Wie das
alles aussehen soll, müsse öffentlich erkundet werden." (Der
Tagesspiegel, Berlin, 4 Feb. 2000)
6) In diese Phase fällt auch die
nach historischen Vorbildern vollzogene Wiederherrichtung des
Nikolaiviertels an der Stelle des historischen Stadtkerns von Berlin.
7) zitiert nach: H. Bodenschatz, Berlin.
Auf der Suche nach dem verlorenen Zentrum, (Hamburg: Junius
Verlag, 1995) p. 152
8) Trippel, Op cit, p. 10ff
9) Ibid, p. 41ff
10) Die Anzahl von
Betrieben des verarbeitenden Gewerbes ging zwischen 1991 und 1998 von
1397 auf 950 zurück. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten in
Industrie und produzierendem Gewerbe von 48 1800 auf 30 5400 (ibid.)
11) Um Details aber, insbesondere um
den Sicherheitsabstand zwischen öffentlichem Raum und Amerikanischer
Botschaft entfachten sich heftige diplomatische Konflikte. Vgl.: Der
Tagesspiegel, 24.1.2000
12) So, wie 1938
die Progromnacht (die verharmlosend auch als Reichskristallnacht
bezeichnet wird) das Fanal für den Holocaust darstellte.
13) Wie schwer sich die
Verantwortlichen mit diesen Fragen taten, zeigt sich auch an der
sperrigen Funktionsbeschreibung: Plenarbereich im Reichstag. Mit dieser
Bezeichnung soll einerseits die Verbindung zwischen dem historisch
zumindest nicht unbelasteten Gebäude und dem deutschen Parlament
möglichst klein gehalten werden. Andererseits wollte man den
Berlinern den vertrauten Namen nicht nehmen.
14) M. Schürmer-Strucksberg, ‚The
Berlin strategy for further development of large housing estates:
statement of position‘, in: European Academy of the Urban
Environment (ed.), A future for large housing estates, (Berlin:
Selbstverlag, 1998) 91-97
15) Feldmann v., ‚Grundlagen des
Planungs- und Baurechts in der BRD und Rechtsanforderungen an den
Umweltschutz‘, in: Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen
(ed.), Kongreßbericht. Erste Stadtkonferenz Berlin. Planen, Bauen,
Wohnen, (Berlin: Kulturbuch-Verlag, 1990) 241-247
16) K. Ganser, 'Instrumente von
gestern für die Städte von morgen? in: K. Ganser, J. Hesse, C.
Zöpel (ed.), Die Zukunft der Städte, (Baden Baden:
Verlagsgesellschaft, 1991), 54-65
17) Ende 1999 wurden beide
Senatsverwaltungen zu einem 'Superministerium' zusammengefaßt und
stehen unter der Leitung eines Sozialdemokraten. Ob damit die
politisch motivierten Leitbildkonflikte verringert werden oder aber
sich vergrößern, weil andere Zielvorstellungen in der Stadtplanung
nicht mehr genügend Berücksichtigung finden, bleibt abzuwarten.
18) B. Schulz, 'Bau, schau, wem. Das
neue Berlin: Die Stadt inszeniert sich selbst - und zieht Bilanz eines
Jahrzehnts der architektonischen und urbanistischen Umgestaltung', Der
Tagesspiegel, 5 June 1999
19) U. Pfeiffer, 'Berlin vor dem
Boom?', Bauwelt, 36 (1990), 1840-1843
Die Realität sieht allerdings anders aus: heute weist die Stadt einen
Nettoverlust von jährlich rd. 30.000 Einwohnern auf (M. Mönninger,
'Stadt im Leistungsvergleich', Berliner Zeitung, 17 Feb. 2000,
13ff
20) Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie (ed.), Flächennutzungsplan
Berlin, FNP Erläuterungsbericht, (Berlin: Selbstverlag, 1994),
90ff
21) Ibid., p. 133
22) A. Banghard, 'Berlin –
Transformation einer Metropole', in: W. Süß (ed.), Hauptstadt
Berlin, Bd. 2 - Berlin im vereinten Deutschland, (Berlin: Berlin
Verlag ,1995) 441-461
23) Trippel, Op cit, p.
34
vgl. auch: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und
Technologie (ed.), Stadtforum 65 - Europäische Stadt -
Auslaufmodell oder Entwicklungspotential?, (Berlin: Selbstverlag,
1997)
24) P. Strieder,
'Welche Stadt wollen wir? Das Planwerk als Wegweiser jenseits der
Architekturmoden', Stadtform – Zukunft des Zentrums, (29
April 1998) 7f
25) H. Stimmann, 'Was nützt uns die
Geschichte? Der historische Stadtgrundriß als Ressource für die
Zukunft', Stadtforum – Zukunft des Zentrums, (29 April 1998)
10f
26) Vgl. Kap. 4, Anmerkung 2 und 3
27) Insbesondere die architektonische
Gestaltung führte, ausgelöst durch Fachdiskussionen während der
Berliner Bauwoche 1993, zu einer weiteren Diskussionslinie: die um die
'Berlinische Architektur'. Insbesondere Fassadengestaltung und
Gebäudehöhe bildeten den Kern der Auseinandersetzung um ein von der
Senatsbauverwaltung verkündetes Regelwerk. Kritiker sprachen von
einer "Berliner Steinfraktion" (wegen der geforderten
Fassadengestaltung aus Stein) und fürchteten den visuellen Verlust
der alten Parzellengestaltung (wegen der Monotonie der einzelnen
Bebauungen). Vgl. D. Guratzsch,
'Auf der Suche nach der Neuen Berlinischen Architektur', Die Welt
(14. July 1995)
28) Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie, Planwerk
Innenstadt Berlin. Ergebnis, Prozess, Sektorale Planung und
Werkstätten, (Berlin: Kulturbuchverlag, 1999)
29)
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie, Planwerk
Innenstadt
Berlin. Ein erster Entwurf, (Berlin: Kulturbuchverlag, 1997) p. 82
30) K. Hartung, 'Berliner
Ungleichzeitigkeiten', Kommune, 4 (1997) 6f
31) z.B. M. Haerdter, 'Mythos Mitte', Positionen,
1(1998) 17ff
32) z.B. W. Kil, 'Würde, Idylle,
Segregation. Wie ein "Planwerk" versucht, die Metropole zu
bändigen', Kommune, 2 (1997) 13
33) D. Hoffmann-Axthelm, 'Das Berliner
Planwerk Innenstadt und seine Kritiker', Kommune, H. 12 (1997),
6-11
34) zitiert nach: E. Schweitzer, 'Engere
Straßen, mehr Häuser, weniger Tunnels', Der Tagesspiegel, (18
April 1999)
35) Zwar sieht das
deutsche Planungs- und Baurecht zwingend Bürgerbeteiligungsverfahren
vor, doch beschränken sich diese Vorschriften im Wesentlichen auf die
förmliche Auslagepflicht von Plänen. Vorgezogene
Beteiligungsverfahren, bei den interessierte Bürger schon während
der Planung informiert und angehört werden, werden vergleichsweise
selten und nur bei begrenzten Bauvorhaben angewendet. Vgl. z.B.: R.
Schaefer and P. Dehne, Aktuelles Planungshandbuch zur Stadt- und
Dorferneuerung, (Augsburg: WEKA, 1994)
36) So der in der
ersten Hälfte der 90er Jahre amtierende Stadtentwicklungssenator
Hassemer. Zitiert nach: H. Fassbinder, "Stadtforum Berlin",
Harburger Berichte zur Stadtplanung, Bd.8 (Hamburg: Selbstverlag,
1997)
37) V. Hassemer, 'Strategic planning and
development programme of Berlin', in: Europäische Akademie für
städtische Umwelt (ed.), Strategies of Development for Central
European Metropolises, (Berlin: Selbstverlag, 1993), 19-22
38) Das 'Planwerk Innenstadt' beispielsweise
war dreimal dezidiertes Thema des Stadtforums.
39) S. Blau, 'Das Instrument Stadtforum
und die Demokratisierung der Planung', Diplomarbeit am
Geographischen Institut der ETH Zürich (Zürich: unveröffentlichtes
Manuskript, 1977), 41
Die PDS ist der Rechtsnachfolger der SED, der Staatspartei der DDR.
40) P. Meuser, Wie demokratisch ist das
Planwerk? Die Form der Stadt als soziale Angelegenheit', Stadtforum
– Zukunft des Zentrums, (29 April 1998) 34f
vgl. auch: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und
Technolgie (1999), Op Cit, p. 28ff
41) H. Stimmann, Op cit, p. 11
42) D. Hoffmann-Axthelm, Op cit, p. 7
43) Der Tagesspiegel
(11 Oktober 1999)
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